Virtueller Pinball – Langzeitprojekt – Teil 42

Hier endlich mal ein aussagekräftiges Video über meinen digitalen Flipper. Aktueller Stand noch ohne Topper, MP3-Player und analogem Shooter (alle drei WIP).

Am Anfang stand der ewige Wunsch einen eigenen Flipper zu besitzen. Problem war immer das Geld und der Platz, den so ein Gerät frisst. Die Flipper, die mich ansprechen, wechseln gebraucht für 4500€ und mehr den Besitzer. Partykeller oder Spielzimmer im eigentlichen Sinne besitze ich nicht, wo also hin mit den großen Geräten?

Ich entschied mich 2011 daher für den Bau eines eigenen virtuellen Geräts. Zuvor hatte ich im Internet einige DIY-Geräte gesehen. Diese wurden allerdings in original Bodys von alten ausgedienten Pinballs eingepasst. Also auch kein wirklicher Platzgewinn.

Also erstmal überlegt wieviel Platz ich erübrigen kann. Zu dem Zeitpunkt kam mir die Idee eines TableTop-Flippers. Also ein Gehäuse welches schnell auf einen Tisch gestellt werden kann und spielbereit ist. Danach einfach wieder abbauen und verstauen. Aus Kostengründen entschied ich mich auch den benötigten PC nicht intern zu verbauen, sondern meinen Heim-PC zu nutzen und diesen einfach bei Bedarf anzuschließen. Der Flipper als übergroßer Controller.

Nachdem klar war wie groß er werden darf ging es an die Suche nach dem wohl wichtigsten Teil eines jeden virtuellen Flippers: dem Monitor für’s Playfield. Für einen halbwegs realistischen Look sollte es 16:9 / Widescreen sein und einen großen Blickwinkel abdecken. Nach einigen Testkäufen hatte ich meinen Favouriten entdeckt.

Seine Abmessungen (und die des einfachen 19″ TFTs für das Backglass) waren nun ausschlaggebend für die exakten Maße des Gehäuses. Die nächsten Tage wurde also gerechnet, gezeichnet und Modelle gebastelt, bis alles stimmig aussah.

Zum Faktor ’stimmig‘ zählten für mich folgende Dinge:

  • Relation von Länge, Breite, Höhe und Backglass musste halbwegs stimmen
  • 2 Flipper-Tasten pro Seite (werden von einigen Pinballs genutzt)
  • Menü-Tasten für die Software
  • ein Launch-Button (für den Abschuß des Balls für Tische mit Auto-Plunger)
  • einen Shooter (für den Abschuß des Balls für Tische mit normalen-Plunger)
  • zwei Münzeinwürfe (modifiziert: geben die Münze direkt wieder aus, da ich kein Sparschwein bauen wollte)

Da die original Coindoors zu groß für meinen geschrumpften Entwurf waren, entschloss ich mich für einzelene Münzprüfer. Die sind zwar nicht so original anzusehen, aber die Funktion stimmt.

Gedanken musste ich mir dann auch direkt wieder beim Holz für das Gehäuse machen. Aufgrund meines mehr als kleinen Bastelkellers musste ich mir das Holz zusägen lassen. Auch das Lackieren konnte dort nicht stattfinden, ohne die Nachbarn „auszustinkern“. Ich entschloss mich daher für einen Schreiner, der mir bereits schwarz beschichtete Platten per CNC zusägte und mit stabilen 3mm Umleimern versah. Das gelieferte Holz-Puzzle hab ich dann erstmal lose zusammengestellt und ‚Oh Wunder‘ es passte zusammen.

Nächster Schritt waren die ganzen Bohrungen und Aussparungen für die Buttons, Münzprüfer, Plunger, Lautsprecher, Stecker und den Ventilator (auf der Rückseite). Die erste Bohrung forderte ziemlich viel Überwindung. Man will ja nichts falsch machen und das schöne Holz schrotten. Wichtig hier: die Platzierung der Flipper-Buttons. Grob kann man sich ja hier an den echten Flipper orientieren. Wenn man aber eh alles von Grund auf selbst baut kann man sie wunderbar auf die unterschiedlichen Handgrößen der späteren Spieler abstimmen. Also Aufkleber auf’s Holz und jeden solange zur Probe drücken lassen, bis niemanden mehr die Hand schmerzt.

Das Holz-Puzzle konnte jetzt dauerhaft zusammengebaut werden. Ich entschied mich für Winkel-Eisen für die Befestigung. Die gesamte Verschraubung wurde innen vorgenommen, so daß man von außen nichts sieht. Ich wurde mal gefragt, warum ich keine Holzdübel oder ähnliches verwende. Das würde ja besser aussehen. Kurz gesagt: es ist innen, niemand sieht’s, und es war für mich einfach zu bewerkstelligen. Einer von vielen Kompromissen.

Nach dem Gehäuse folgte der Einbau sämtlicher Komponenten. Dieser Teil kann schnell zu einem Faß ohne Boden werden – in Hinsicht auf Arbeitszeit und Geld. Ich entschloß mich für folgende Komponenten:

  • Padhack eines USB-Controllers um alles Buttons und den Plunger mit dem PC zu verbinden (ja es gibt auch fertige USB-Lösungen)
  • digitaler Plunger (per einfachem Schalter)
  • LEDWiz für die Ansteuerung von bis zu 32 LEDs
  • uhidg für die Tilt- und Nudging-Funktionen
  • Lautsprecher (mit kräfigen Bass)
  • Lichtschranken um den Münzeinwurf zu registrieren

Weitere Möglichkeiten wären z.B. (nenne hier nur einige):

  • analoger Plunger
  • Motoren für realistischen Sound von Zusatzfunktionen
  • Schütze für Forcefeedback und realistischen Sound von Schlagtürmen und Co.
  • Shaker für Forcefeedback
  • echte Freeplay-Knocker für den echten ‚durchschlagenden‘ Sound
  • dritter Bildschirm oder echtes LCD-Display für die Score-Anzeige

Der eigentlichen Funktion steht das Fehlen dieser Komponenten nicht ihm weg. Das Schöne ist, man kann sie später ja jederzeit Nachrüsten … wenn man möchte. Ein Flipper ist eigentlich nie wirklich fertig!

Eine Steckdose, Netzeile, Lüfter, Stecker und viele Kabel fanden auch noch ihren Platz. Von außen wurden dann Lüfter- und Lautsprecher-Gitter angebracht. Die Rückseite erhielt eine ganze Schar von Steckern um den Flipper mit Strom zu versorgen und ihn mit dem PC zu verbinden.

Den Bildschirm für’s Playfield habe ich durch eine 5mm starke Polycarbonat-Scheibe geschützt und diese links und rechts mit Aluleisten fixiert. Die 5mm stellten sich als ausreichend heraus. Man kann auch locker ein Getränk drauf abstellen. Bei größeren Scheiben sollte man natürlich die notwendige Stärke prüfen.

Nach dem handwerklichen Part folgte die Software-Seite. Da ich ja meinen Heim-PC verwende, erstellte ich erstmal eine neue Partition inkl. Boot-Manager, um bequem zwischen den beiden Systemen umschalten zu können. Als Flipper-OS nutze ich Windows XP, da es für die verwendete Software die stabilste Basis darstellt.

Als Flipper Emulator kommt bei mir vorerst nur Future-Pinball zum Einsatz. Er ist leicht zu installieren, bietet eine recht gute Ballphysik, gute Grafik und eine Vielzahl von kostenfreien Tischen. Für die einfache und optisch ansprechende Auswahl der Tische nutze ich Hyperpin. Dort habe ich entsprechende Screenshots der Tische, der Instruction Cards und der Flyer hinterlegt. Alles bequem über die Menütasten auswählbar.

Als dann die ersten Tische spielbar waren, überredete mich meine Frau das Gerät dauerhaft aufzustellen und nicht immer wieder abzubauen und zu ‚verstecken‘. Flipperbeine oder etwas ähnliches mussten also her. Von der ursprüngliche Planung des TableTops wollte ich aber nicht abkommen und mir diese Option offenthalten. Mir kam die Idee einen Keyboard-Ständer zu verwenden. So hat der Flipper seinen eigenen Ständer und kann dennoch schnell und problemlos ab- und aufgebaut werden. Der Flipper fand so vorerst einen festen Platz in unserem Büro.

Nach einiger Zeit empfand ich das pure schwarz des Gehäuses für zu langweilig und entschied mich für die Aufbringung von Sidearts. Problem: original Sidearts waren zu groß und recht teuer. Aus der Not heraus warf ich also mein Grafikprogramm an und designte passende Layouts im Tron-Style. Die lies ich von einer Online-Druckerrei als Aufkleber printen und brachte sie auf.

Damit der Rest des Flippers besser mit dem neuen Dekor harmoniert, entschied ich mich die Buttons farblich anzupassen und deren Inlays entsprechend dem Thema anzupassen. Die Lautsprechergitter habe ich mit Hilfe einiger LEDs und Trinkhalmen auch noch etwas optisch aufgewertet. Zufällig entdeckte ich auch passende Flynn’s Arcade Münzen, die das Thema ‚Tron‘ noch unterstreichen.

Dies ist der momentane Stand der Dinge.

Geplant sind momentan noch eine Tron-Disc und 2 Bikes als beleuchtete Topper, ein eingebauter MP3-Player, um die Wartezeit des Boot-Vorgang zu überbrücken und eine analoger Plunger. Wann diese Sachen fertig werden bleibt abzuwarten. Es eilt ja nicht.

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6 Antworten zu Virtueller Pinball – Langzeitprojekt – Teil 42

  1. noc sagt:

    macht der tisch auch authentische geräusche beim betätigen der flipper?
    der sound der alten analogen flipper hat mich immer sehr fasziniert.

    und so als anregung.. ein 3D monitor der mit polfilter brille funktioniert 🙂
    insgesammt sehr cool!

  2. DCP sagt:

    Welche Relais hast du als Feedback verwendet?

    • basitsch sagt:

      Noch keins. Steht auf einer sehr langen Liste mit diversen Projekten. Ich würde aber wohl zu einem Siemens 3rt1016 1ba42 tendieren.

      • DCP sagt:

        Sind die Siemens Schütz nicht ein wenig „overkill“ für ein Cab dieser Größe? Wenn du dein Cab zusätzlich am Tisch stehen hast würde sich (denke ich) die Lautstärke dann zusätzlich noch einwenig erhöhen. Ich hab für meines einfache 12V Auto-Relais verwendet. Geben auch ein hörbares Feedback und verursacht weniger Probleme mit Nachbarn 😉

        • basitsch sagt:

          Sooo laut dürften die nun auch nicht sein. Es geht auch nicht in erster Linie um das Klacken, sondern auch um die Vibration, die die Relais verursachen und die man fühlen kann.

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