Stadium Events: Die Wette / Die Fälschung

Heute spiele ich mal den Bösen: den Fälscher vor’m Herr’n.

Das Ganze geht auf eine Wette zwischen mir und einem Kollegen zurück und liegt so zwei Jahre in der Vergangenheit. Das NES-Spiel Stadium Events und seine hohen Verkaufpreise waren in aller Munde Die damals gesammelten Infos will ich hier aber mal kundtun und so vor Spiel-Fälschungen warnen.

Wichtig: Das Ganze mag wie eine Anleitung anmuten, ist aber mit Fehlinformationen gespickt und Details werden ausgelassen, um Nachahmungen zu verhindern. Alle hier gezeigten Infos gibt es auch an anderen Stellen des Internets, frei zugänglich. Es soll euch die Augen öffnen. Fallt nicht auf Fälschungen rein, achtet auf alles! Fragt Experten! Verschleudert nicht euer Geld!

Die Wette: Wenn man Stadium Events fälschen könnte, dann hätte man ne tolle Einnahmequelle. Aber das qualitativ hochwertig hinzubekommen ist unmöglich/zu teuer! Herausforderung angenommen 😉

Am Anfang steht die Recherche. Erstmal schau’n um welches Spiel es geht. Das Internet ist bereits voll von Bilder der echten Module. Hier setze ich an. Ich sammel alle möglichen Bilder und Infos. Wann wurde das Game hergestellt, gibt es unterschiedliche Versionen? Besondere Merkmale?

Wichtige Erkenntnis: Das Modul ist nur als US-Version richtig viel Wert. Also beschränke ich alle ‚Ermittlungen‘ darauf.

Ich stoße auch auf erste Fake-Versuche, die aber sehr diletantisch gemacht wurden. Schlechte Aufkleber, Eproms und Platinen, die nachträglich verdrahtet wurden.

Nächste wichtige Erkenntnis: Es kommt nicht nur auf’s Äußere an, sondern auch auf die Innereien. Jemand der soviel Geld für ein Modul ausgeben will, der prüft es auch von Innen und da erkennt man es sofort. Oder auch nicht 😉

Bei meinen weiteren Recherchen bin ich auf eine öffentliche Datenbank für NES-Spiele gestoßen. Sehr informativ. Dort erhalte ich alle Informationen inkl. den verbauten Chips und der Platine.

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Ich starte mit der Auswahl der entsprechenden ROMs, also den Programmdateien. Diese Daten müssen auf einen Eprom geschrieben werden, der anschließend in ein Spendermodule eingepflanzt wird. Ein normales Eprom erkennt man aber selbst ein Laie an dem eingegossenen Fenster, über das man Eproms wieder löschen kann. Also ging der Griff direkt zu den OTP-Eproms. Die besitzen kein Fenster und sehen einem originalen Mask-Rom schon sehr ähnlich. Flugs welche bestellt, beschrieben und in einem Testmodul ausprobiert. Glück muss man haben: die Eproms haben die gleiche Pin-Belegung, wie die originalen Roms. Ich muss also nichts an der Platine verändern oder Drähte ziehen … das würde wirklich jedem auffallen.

Zwischenstand: Eproms mit Daten

Nun habe ich mich erstmal mit dem Äußeren beschäftigt. In was für einem Schuber wurde das Game ausgeliefert? Welches Modul-Gehäuse wurde verwendet? Welche und wieviele Schrauben hatte das original Gehäuse? Welche Sprache hatten die Hinweise auf der Rückseite, welche Nummer ist eingestanzt?

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Das konnte ich wieder alles über’s Internet klären. Auch konnte ich dort erfahren, für welche anderen Spiele genau die gleichen Gehäuse verwendet wurden. Aus diesen habe ich dann die günstigsten rausgesucht und bestellt. Das Front-Label war schnell entfernt. Jetzt musste ein neues her.

Zwischenstand: Eproms mit Daten, passende Gehäuse

Etwas Geschick im Umgang mit Grafikprogrammen ist angesagt. Vorlage lieferte auch hier wieder ein Bild aus dem WWW. Zum Glück fand ich das Cover in einer sehr hohen Auslösung. Mit Hilfe verschiedener Layer, weiteren Screenshots und manuellem Nachpixeln entstand so eine rausch-/ artefaktfreie Kopie des Originals.

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Jetzt ging’s ans Drucken. Ein professioneller Druck über einen der vielen Online-Anbieter musste her. Wichtig war hier die Art des Aufklebers. Einfach einige kostenlose Muster angefordert und die perfekte Papier/Kleber-Kombination ausgewählt. Wer jetzt sagt: aber die Drucken doch keine Copyright-Sachen. Normalerweise nicht. Aber wenn man erklärt, dass es für die Restauration gedacht ist und das Nintendo-Siegel weglässt, dann geht das durchaus. Schnell hielt ich also das perfekt zugeschnittene Label in den Händen.

Nun zum Nintendo-Siegel. Es konnte nicht mitgedruckt werden und eigentlich ist es ja goldfarben und dass lässt sich eh nicht einfach drucken. Kurz recherchiert und der Griff ging zu einer Thermotransferfolie. Auf das bereits vorliegene Label wurde mit einem Laserdrucker das Nintendosiegel mit schwarzem Toner ausgedruckt. Danach wurde die goldene Thermotransferfolie aufgelegt und mit Hilfe eines Laminiergeräts ‚aufgebügelt‘. Das vormals schwarze Siegel erstrahlte danach in einem schönen goldigen Glanz. Etwas Nacharbeit (hier nicht näher erklärt) und es sieht dem Original zum Verwechseln ähnlich. Jetzt nur noch gerade aufkleben, Ihr glaubt nicht wie viele Fälscher daran scheitern 😉

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Zwischenstand: Eproms mit Daten, passende Gehäuse mit Label

Und schon sind wir wieder bei den Innereien. Die Eproms sind bereits beschrieben, aber sie sehen den echten nicht ähnlich. Ganz falsche Beschriftungen. Auch die Daten auf den anderen Chips (die ich aus anderen Billig-Spielen ausgelötet habe) passen nicht. Einfaches Nassschleifpapier und etwas Politur lässt die Beschriftungen schnell verschwinden. Jezt geht es ähnlich weiter, wie beim Label. Scans mit den korrekten Beschriftungen im Internet besorgen, nachpixeln, die Eproms zu einem IC-Laserbeschrifter schicken und tata … auch die sehen aus wie Original-Bausteine. Auch hier zieht die Aussage mit der ‚Restaurierung‘ ohne Probleme.

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Zwischenstand: korrekt beschriftete Eproms mit Daten, passende Gehäuse mit Label

Dann geht es direkt mit der Platine weiter. Auch hier schaute ich wieder nach, welche Games die gleiche Platine verwendeten. Leider gab es nur Spiele, die in unterschiedlichen Chargen produziert wurden. Es gab also keine 100%ige Wahrscheinlichkeit, dass man die richtige Platine erhielt. Also einfach ein Dutzend der günstigen Games geordert und tatsächlich zwei passende Platinen erhalten.

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Nun kommt es auf das handwerkliche Geschick an. Alle Chips runterlöten und durch die Neuen ersetzen. Etwas Übung und ordentliches Lötzinn vorausgesetzt und man sieht keinen Unterschied zu den ursprünglichen Lötstellen. Man sieht doch einen Unterschied? Ok, dann die restlichen auch nochmal nachlöten, bis alle homogen aussehen. Perfekt! Beim Entlöten natürlich auch aufpassen, dass die Platine nicht beschädigt und/oder Stellen überhitzt werden. Solche Stellen springen einem beim Fotografieren mit Blitz später buchstäblich an. Die besten Tricks enthalte ich euch hier auch mal wieder vor.

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Zwischenstand: vollständige Platine, passende Gehäuse mit Label

Fertig?

Nein!

Ihr kauft ein loses Stadium Events und es sieht aus wie neu? Wie geht denn das? Das Teil muss alt aussehen, aber nicht zu alt. Vielleicht einfach mal ein paar Wochen in seiner Arbeitstasche mitschlörren, den Kindern zum Spielen geben, … nichts ist authentischer als echte Abnutzung. Vielleicht hat ein fiktiver Vorbesitzer das Modul auch mit seinem Namen versehen? Das mindert natürlich alles den Wert, aber was wirkt echter? Ein 1A-Modul oder eins mit ‚Geschichte‘?

Zwischenstand: komplett, gebrauchtes Modul

Da wir grad bei dem Thema Geschichte sind … welche Geschichte hat das Modul denn nun? Wie ist es zu euch gekommen? Immerhin wurde es nur für kurze Zeit in den USA verkauft und dann zurückgerufen. Fanatasie ist gefragt. Geschichten von Secondhandshops und Flohmärkten sind immer gern gesehen. Eine Geschichte darf nicht lückenlos sein, dadurch wird sie schon wieder unglaubwürdig. Datum und Orte sollte aber schon stimmig sein. Einen alten Kaufbeleg/Quittung gebastelt? Super.

Tja, und nun? Jetzt muss man nur noch dreist sein und genug verbrecherische Energie aufwenden, um es an den Mann zu bringen. Für unsere Wette haben wir das natürlich nicht gemacht. Stattdessen ging es darum sich die Echtheit des Modul durch diverse Sammler bestätigen zu lassen, sowohl online, als auch im direkten Kontakt. Kurz zusammengefasst: fast alle hielten es für echt und nur wenige erkannten Ungereimtheiten/Fehler. Nur einer sagte uns auf den Kopf zu, dass es eine Fälschung ist. Aber auch so gelangt man an gute Infos für die nächste, perfekte Kopie 😉

Fazit: Kann man also ein Modul fälschen? Ja. Auch ohne teure Ausrüstung und mit Hilfe frei zugänglicher Informationen aus dem Netz ist es möglich. Nur der Zeitaufwand ist nicht zu unterschätzen. Es lohnt sich daher nur das qualitativ hochwertige Fälschen von hochpreisigen Spielen. Mit steigendem Preis werdet ihr also auf immer bessere Fälschungen stoßen, die immer schwerer zu erkennen sind.

Also daher nochmals die Warnung: Ihr wollt viel Geld für ein Game ausgeben? Prüfen, prüfen, prüfen. Werdet vorher zum Experten. Der Fälschungsversuch machte mich zum Experten für dieses Modul. Ich denke ich kann nun ein Original erkennen 😉

 

PS: Sämtliche Eproms, Module und Labels wurden zwischenzeitlich wieder vernichtet. Sie befinden sich nicht im Umlauf!

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